"Seelenwelten" - Programm

Erinnern & Vergessen
Kunststücke Demenz
9. November 2006
19.00 Uhr
Forum der VHS

Erinnern & Vergessen Mit einer älter werdenden Gesellschaft in Deutschland sind viele Fragen und Ängste verbunden: Wie wird das Leben in dieser neuen Gesellschaft aussehen? Werden wir mit dieser Herausforderung zurechtkommen? Welche Risiken bringt dieser Wandel? Welche Chancen und Möglichkeiten hält er bereit? Nicht nur aus finanziellen Gründen werden wir uns auf­machen müssen, neue Wege in der sozialen Gemeinschaft zu gehen.

Viele dieser Fragen konzentrieren sich in der Lebenssituation dementiell veränder­ter Menschen und ihrer Familien. Mit der demographischen Entwicklung wird ihre Zahl zunehmen – allein in Nordrhein-Westfalen von derzeit 200.000 um 25 % auf 250.000 im Jahr 2015.

Stimmt unser Bild dementiell veränderter Menschen als hilflose, desorientierte und zu betreuende Wesen? Stimmt unser Bild, das den betroffenen Frauen und Männern keine Individualität mehr zugesteht und sie nur noch unter dem Vorzeichen einer Krankheit und eines unheilbaren Verfalls sieht? Ist Demenz allein eine Frage der Ausgestaltung der Pflegeversicherung oder geht es nicht auch um unsere konkrete soziale Solidarität in der Familie, in der Nachbarschaft, im Viertel, in unserer Region?

Diesen Fragen geht seit Oktober 2005 das Projekt „Erinnern–Vergessen: Kunst­stücke Demenz“ nach und beschreitet dafür ungewöhnliche Wege: Die Auseinander­setzung mit dem Phänomen der Demenz, mit ihrer Bedeutung für den Einzelnen, mit unserem Bild, das wir von dieser Krankheit haben, geschieht mit Mitteln verschiede­ner Künste – vor allem des Theaters.

Einerseits sollen in dieser künstlerischen Auseinandersetzung fremde und über­raschende Seiten der Demenz sichtbar werden und das Verständnis für dementiell erkrankte Menschen bzw. ihre Familien gestärkt werden. Zum anderen dient das Projekt insbesondere dazu, die mit der Versorgung dementiell erkrankter Menschen verbundenen Fragen sozialer Solidarität neu zu thematisieren und in einen unmittel­baren regionalen Zusammenhang zu bringen.

Wir zeigen Video-Ausschnitte aus den Theaterproduktionen des Schlosstheaters Moers. Im Anschluss daran gibt es Gelegenheit zur Aussprache mit den Regisseuren (angefragt), den Chefärzten Dr. Hans Claus Leopold (St. Lukas-Klinik) und Hartmut Belitz (Rheinische Kliniken Langenfeld), der Diplom-Psycho-Gerontologin Mirjam Eisenreich (Busch-Stiftung Seniorenhilfe) sowie mit Angehörigen, die über eigene Erfahrungen im Zusammenleben mit Demenzkranken berichten können.