"Seelenwelten" - Programm
Die Schattenseite des Mondes
Autorenlesung (Renate Klöppel) aus dem gleichnamigen Bericht einer Psychose-Erfahrenen (Helene Beitler) mit Ausstellung ihrer Bilder
31. Oktober 2006
19.00 Uhr
Waschhaus Weegerhof
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Helene Beitler
Geboren 1959 in Dortmund. Nach dem Abitur Grundstudium der Philosophie in München, dann 1982/83 Studium Freie Grafik/Freie Malerei bei Prof. Berger und Prof. Hollmann an der Kunstakademie in München. 1981 Heirat mit Hubert Beitler, 1982 Geburt des ersten Sohnes, 1985 Geburt des zweiten Sohnes. Psychoseerfahrung seit 1987.
Seit 1996 Ausstellungstätigkeit sowohl im psychiatrischen als auch im allgemeinen künstlerischen Kontext, etwa im „Meeting point“ der Firma Daimler Chrysler. Beteiligung an der Wanderausstellung psychiatrieerfahrener Künstler „Zeige deine Wunde“.
Buchveröffentlichungen: „Psychose und Partnerschaft“ (2000) und „Familienleben mit psychosekranken Kindern“ (2004). Ebenfalls 2004 erscheint die Romanbiografie „Die Schattenseite des Mondes“, geschrieben von Renate Klöppel auf Grundlage der Geschichte von Helene Beitler.
Den Ausbruch der Psychose 1987 erlebte Helene Beitler als Steigerung ihrer künstlerischen Fähigkeiten. Hemmungen und Zweifel waren verschwunden, die Bilder entstanden mit einer nie gekannten Leichtigkeit. Aber sie hatte auch das Gefühl, von der aufgebrochenen Kreativität völlig überfordert zu sein, denn sie brach wie eine Urgewalt über sie herein und war nicht über einen langen Zeitraum gewachsen. Die dann folgende medikamentöse Therapie ließ ihre künstlerische Sensitivität aber völlig versiegen. Fähigkeiten, derer sie sich sicher gewesen war, waren nicht mehr abrufbar. Dennoch blieb die Sehnsucht nach der Kunst. Es war die Sehnsucht danach, etwas von dem Göttlichen in die Welt zu bringen, eine Sehnsucht, die sie seit ihren ersten Begegnungen mit der Kunst hatte. Sie nahm mit relativem Gleichmut hin, dass die Neuroleptika ihre zierliche Figur zerstörten, aber dass sie ihr die Möglichkeit nahmen, künstlerisch tätig zu sein, erlebte sie als tiefen Einschnitt in ihre Lebensqualität. Dennoch gab sie die Kunst nicht auf, sie erarbeitete sich in mühevollen Jahren erneut, was ihr vor der Erkrankung selbstverständlich gewesen war. 2003 wurden zwei ihrer Bilder für die Wanderausstellung psychiatrie-erfahrener Künstler, „Zeige deine Wunde“, ausgewählt. Dies bestätigte Helene Beitler, dass ihre künstlerischen Fähigkeiten zurückgekommen waren.
2004 durchlebte Helene Beitler, nach zehn psychosefreien Jahren, erneut eine Psychose. Neuere Medikamente ermöglichten es ihr diesmal, die Psychose malerisch zu begleiten. Dadurch konnte sie sich auf das innere Geschehen, welches sie als Mitteilung ihrer Seele verstand, einlassen, aber auch distanzieren. In der tiefsten Verlorenheit der durch die Krankheit veränderten Wirklichkeit erschien ihr etwas Helfendes in Gestalt eines Tieres. Seitdem malt Helene Beitler Tierfiguren. Sie stehen für Aspekte der Person, innere Begleiter und Helfer. Nicht das reale Tier ist gemeint, sondern das magische Tier, etwa das Totemtier. Zunächst waren die Tierfiguren schablonenhaft, kindlich lieb und nett. Seitdem ist viel geschehen. Die Tiere sind zur Persönlichkeit geworden, zeigen durchaus auch einmal die Zähne.
Inzwischen muss Helene Beitler nicht mehr psychotisch sein, um malen zu können.